Die Untersuchungshaftanstalt in Hamburg – abgekürzt UHA – befindet sich direkt zwischen den Holstenglacis und dem alten botanischen Garten, unweit des Dammtorbahnhofs. Das Gebäude ist in meinen Augen ein Fremdkörper im Stadtzentrum – allerdings einer, der erst auf den zweiten Blick auffällt, denn der vollständige Gebäudekomplex lässt sich nur von oben überblicken.
in der Hamburger Untersuchungshaftanstalt werden jedes Jahr tausende Menschen entweder in Untersuchungshaft, in Zivilhaft, oder – z. B. – in Erzwingungshaft genommen. Zudem dient die UHA unter anderem als Vorführungsabteilung bei Gerichtsverhandlungen. Zu diesem Zweck wurden unterirdische Verbindungsgänge angelegt, die von der Untersuchungshaftanstalt direkt in die Gerichtsgebäude führen.
Im Gebäudekomplex wurde zusätzlich ein Vollzugskrankenhaus (Zentralkrankenhaus-ZKH) eingerichtet. Auch dieses Gebäude verfügt über unterirdische Verbindungsgänge.
Laut Wikipedia werden – anders als in anderen Bundesländern – in Hamburg alle vorläufig Festgenommenen bis zur Anhörung durch einen Haftrichter in der Untersuchungshaftanstalt untergebracht. Dies ist in der Bundesrepublik einmalig, da die Polizei ihre Gefangenen bereits vor Erlass eines Haftbefehls an den Justizvollzug übergibt.
Wie viel sich in der UHA „bewegt“ erkennt man an der folgenden Statistik. Es werden jährlich etwa …
- 12.000 Gefangene aufgenommen
- 10.000 medizinische Zugangsuntersuchungen durchgeführt
- 16.000 Besuche für Gefangene geleistet
- 16.000 Rechtsanwaltsbesuche durchgeführt
- 12.000 Gerichtsvorführungen abgewickelt
- 1.800 überwachte Drogenentzüge bewältigt und 1.300 Methadon-gestützte Drogenentzüge vollzogen
- 71.240 Kilo Kartoffeln und 126.560 Laibe Brot gegessen
- 2.500 Liter weiße Farbe für das Streichen der Haftraum-Wände benötigt
Ich habe die Untersuchungshaftanstalt an einem gewöhnlichen Wochentag besucht und ein – für mich – in jeder Hinsicht ungewöhnliches Shooting erlebt. Natürlich hatte ich eine Ahnung davon, was mich erwarten würde, allerdings habe ich nicht damit gerechnet, welches Maß an Beklemmung ich dabei empfinden würde …
Fotografiert habe ich belegte und leere Zellen – so wie neue “Insassen” sie dann vorfinden, unterirdische Gänge, die Kapelle, Besuchsräume, Räume, in denen Häftlinge mit Anwälten sprechen und allerlei anderes …
Für mich ging es hier nicht darum, besonders “schöne” Bilder zu machen, sondern das, was ich sah und empfand, fotografisch zu verstärken.
Ergänzende Links
- Weitere Bilder aus Hamburg Neustadt
- Weitere Hamburg-Bilder anschauen? Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis
- Wikipedia-Eintrag zur Untersuchungshaftanstalt Hamburg
- Gesteh’ und geh’ – Spiegel Online über Untersuchungshaft in Deutschland
- Untersuchungshaft: Was kostet ein Tag?
- PDF-Dokument der Untersuchungshaftanstalt Hamburg
- Weitere Gebäude und Institutionen im Hamburger Fotoblog












































12. Dezember 2011 um 22:34 Uhr
Hallo Jörn,
wenn ich mir deine Bilderserie so angucke, dann wird mir ganz anders. Hoffentlich komme ich dort niemals unter, ich will jetzt aber nicht sagen, man weiß ja nie, also immer hübsch artig sein !!!
Trotz meines beklemmenden Gefühl, sind deine Bilder zum Thema UHA ein Hingucker sondergleichen, wie du das immer hinbekommst, hast wohl einen Schlüssel gemopst um reinzukommen. Deine Recherche ist auch sehr interesant, hätte nie gedacht das dort soviel Farbe verstrichen wird, wie sagt man immer, bei der Enge geht man die Wände hoch, weil zum laufen zu wenig Platz ist.
Viele Grüße,
Fred.
13. Dezember 2011 um 09:51 Uhr
Hi Jörn,
mir geht es ziemlich genau so wie Fred. Deine Entscheidung im freundlichen schwarz/weiss zu fotografieren, lassen die Bilder noch intensiver erscheinen. Du hast es geschafft, es steigt ein sehr großes Gefühl auf: Da will ich nie landen!!!! Um so trauriger erscheint mir die Tatsache, dass es Mitbürger gibt, die sich dort unschuldig aufhalten mussten. Gott was für ein SCHEISS!!! Man kann die Verzweiflung und Aufbäumen gegen die Ungerechtigkeit beim betrachten der Bilder spüren.
Jörn, schöne Fotos aber es bleibt ein nachdenkliches Gesicht!!!
Liebe Grüsse
Peter
14. Dezember 2011 um 21:23 Uhr
Auch wenn du es nicht explizit wolltest, schön sind die Bilder teilweise trotzdem. Wenn auch auf eine schaurige Art. Diese gerade Linien, die kahlen Gänge, da bekommt man schon beim Anschauen Gänsehaut.
Tolle Serie und gute Informationen.
Mehr davon!
14. Dezember 2011 um 23:51 Uhr
Hallo Jörn,
die Vorredner haben schon das Wichtigste gesagt. Ich stimme auch zu, dass die Fotos toll sind, gerade deshalb sind sie wohl auch besonders gruselig. Oben, hinter HAMBURGER FOTOBLOG steht “Hamburg von seiner schönsten Seite”. Zum Glück stimmt das in diesem Fall nicht!
Die Atmosphäre erinnert mich an die amerikanische Fernsehserie “Oz”. Ich weiß nicht, ob die bei uns gelaufen ist, mein Sohn hat die DVDs aus USA mitgebracht. Lohnt sich, gute Schauspieler (zum Teil bekannt aus LOST u.a.), spannende Stories. Mit Judy Garland hat der Knast “Oz” absolut nichts zu tun. Nix mit “Somewhere over the rainbow”. “Bück’ dich nicht nach der Seife, beim Duschen” passt da schon eher.
16. Dezember 2011 um 05:45 Uhr
Die Photos sind beklemmend, aber auch einfach große Klasse. Als Juristin ist mir der Ort nicht unbekannt. Aber bisher durfte ich immer durch die Rechtsanwaltstür durch das Strafjustizgebäude rein.
Ich fand diesen Ort auch real immer sehr beklemmend, auch wenn ich beruflich da etwas abgebrühter sein sollte.
18. Dezember 2011 um 17:37 Uhr
…ganz “schön” schrecklich und beklemmend. Ich möchte diese Räumlichkeiten niemals von innen sehen. Danke für diesen Einblick.
22. Dezember 2011 um 20:31 Uhr
Sehr beeindruckende Bilderserie! Tolle Kontraste und klare Linien. Die Stimmung kommt erschreckend gut rüber.
Schön anzusehen – danke dir
22. Dezember 2011 um 21:19 Uhr
…. wer einmal aus dem Blechnapf fraß …
Nach deinen Bildern von der Küche weiß ich jetzt, wie die aussehen.
22. Dezember 2011 um 21:22 Uhr
Die Fotos sind dir sehr gelungen.
Aber ich finde, es sieht dort alles sehr gruselig und altmodisch aus. Meine ersten Gedanken waren, was muss man dort als Gefangener nur durchmachen und auch die Angestellten, die ja quasi mitgefangen sind. Dann fielen mir gleich auch noch die Personen ein, die sich dort selber umgebracht haben.
Hm. Ich habe da so etwas meine Zweifel, ob das für alle Beteiligten so gesund ist. Auch der Krankenstand ist bei den Angestellten ja sehr hoch, wie ich mal gehört hatte. Ich glaube, moderner und schöner würde allen helfen. Vielleicht sollte man etwas in das Gefängnis investieren, auch wenn Hamburg zurzeit kaum Geld hat.
23. Dezember 2011 um 10:35 Uhr
Was sagt mehr über die Qualität von Fotos aus als dass sie berühren und nachdenklich machen? Irgendwie wollen meine Finger “super Fotos” schreiben … und dann wieder auch nicht, obwohl sie es zweifelsfrei sind.
23. Dezember 2011 um 11:22 Uhr
Ich habe zuerst deinen Artikel gelesen, dann die Bilder vorerst in der kleinen Darstellung überflogen und dann gleich die Kommentare gelesen. Nachdem ich dies getan habe, war ich schon sehr gespannt, wie die Fotos wirken, wenn ich sie mir vergrößert anschaue. Wow. Ich bekam genau dasselbe beklemmende Gefühl wie die anderen auch. Das Ziel dieser (sehr gelungenen) Arbeit, wie Du es im letzten Satz Deines Artikels beschrieben hast, hast Du aus meiner Sicht erreicht. Die Bilder besitzen eine sehr stark durchringende Emotionalität.
23. Dezember 2011 um 21:12 Uhr
Exzellente Bilder, die den Betrachter fast zum Begleiter des Fotografen werden lassen! Das bedrückende Gefühl, das sich beim Anschauen mancher Aufnahmen einstellt, ist das Ergebnis einer sehr sensiblen Sichtweise. Mein Kompliment!
24. Januar 2012 um 10:25 Uhr
Liebe Leute,
Ihr habt alle gut reden! Nicht jeder kann sich aussuchen, ob er dort einfährt oder nicht. Ich jedenfalls hatte keine Wahl. Eines Tages stand ich in dem mir frisch zugewiesenen Haftraum und die Tür schloß sich hinter mir. Und schon nach dem Mittagessen dreht ich mit den anderen Männern meines Flügels meine erste Hoftour – übrigens gehen Gefangene wohl überall im Kreis gegen den Uhrzeigersinn. Und da dort von uns allen kräftig ausgeschritten wurde und sie mir bei meiner Einkleidung doch tatsächlich nagelneue Schuhe verpasst hatten, hatte ich schon nach 2 Tagen Blasen an den Füßen. Bis zum ersten Einkauf keinen Kaffee und keinen ordentlichen Tee. Und Alkohol überhaupt nicht. Wie sollte ich da abends einschlafen?
Überhaupt: fast immer 23 Stunden am Tag unter Einschluß, da blieb nur der Blick aus dem kleinen Fenster.
Auch wenn es komisch klingt: der Aufenthalt in diesen kleinen, versifft wirkenden Vorführzellen, die hier auch abgebildet werden am Ende des unterirdischen Ganges zum Strafjustizgebäude, der fand statt an den Tagen, wo ich Verteidigerbesuch erhielt – alles in allem schon eine Abwechslung in meinem Haftalltag.
Übrigens saß während meiner Zeit auch der Millionärserbe Falk hier ein. Der war wohl auch eher eine andere Umgebung gewöhnt.
6. Mai 2012 um 23:04 Uhr
Schön und korrekt von dir, dass du die Menschen damit abschreckst! Das finde ich sehr gut von dir um ehrlich zu sein.
Ich selber saß in dieser Anstalt und bevor ich drinne war hab ich mir es freundlich vorgestellt doch als ich ankam bekam ich ein richtigen Schock … Die Bediensteten behandeln ein wie Tiere das Essen würde nicht mal ein Hund essen, die Betten sind kaputt man hat keine Ablenkung, denkt die ganze Zeit an die Freiheit und Familie man kriegt noch nicht mal eine Zeitung die erste Zeit sowieso durchdreher dann wenn man Geld hat kann man sich Fernseher kaufen man ist 23 std eingesperrt man sieht die Menschen in der Freiheit und dadurch geht man kaputt in der Anstalt geht man richtig kaputt Folter Knast meiner Meinung nach!
Ich wünsche es nicht mal meinen Feinden da zu sitzen!