Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel – Santa Fu

Nachdem ich bereits die Untersuchungshaftanstalt besuchen durfte, 
hatte ich am 25. Februar 2013 die nächste Gelegenheit für ein 
„Knast-Shooting“ – diesmal in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel und ich war auf alles gefasst …

Santa Fu, so der umgangssprachliche Name der 
Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, ist fühlbar auf längerfristige „Aufenthalte“ ausgelegt. Die Schuld der Gefangenen wurde hier 
bereits von einem Gericht festgestellt. Das merkt man auch an der Atmosphäre der Häuser. Für einen Besucher wie mich wirkt hier 
alles deutlich ruhiger.

Viele der Gefangenen die ich sah, werden entweder sehr lange in Haft sein, oder hier sogar ihren Lebensabend verbringen. 
Dementsprechend gibt es ein umfangreiches Angebot an exzellent ausgestatteten Werkstätten – unter anderem sah ich eine Tischlerei und eine Schlosserei.

Besonders angerührt hat mich die Druckerei. All die Buchstaben, die dort noch von Hand gesetzt werden, haben eine gewisse Magie. Dort lebt etwas weiter, was „draußen“ längst Geschichte ist.

Zahlen für das Jahr 2012 – Es wurden …

  • 92 „Zugänge“ – rechtskräftig Verurteilte – aufgenommen
  • 70 Insassen aus der JVA Fuhlsbüttel in die JVA Glasmoor (offener 
Vollzug) und 12 Insassen aus der JVA Fuhlsbüttel in die 
Außenstelle der Sozialtherapie Hamburg verlegt
  • 45.000 Kg. Kartoffeln und 50.000 Brote gegessen
  • 937,5 Liter Dispersionsfarbe  verarbeitet (umgerechnet sind das 75 Eimer = 3 Paletten)

In der Bäckerei wurden produziert …

  • 210.435 Brötchen
  • 241.962 Brote und
  • 1.492 Bleche Kuchen

Die Küche hat rund 140.000 Mahlzeiten zubereitet. Verbraucht 
wurde/n ca. …

  • 140.000 Fleisch/Fischportionen
  • 75.000 kg Kartoffeln
  • 60.000 kg Gemüse

Qualifikationen

  • 127 Gefangene haben an schulischen Qualifizierungen und
  • 191 Gefangene an beruflichen Qualifizierungen teilgenommen

Ich hatte Gelegenheit, in die eine oder andere Zelle zu blicken – 
darunter auch die eines Gefangenen in Sicherungsverwahrung (die 4 letzten Bilder dieser Serie). Im Web und in der Presse gibt es zu solchen Zimmern ganz 
unterschiedliche Meinungen. Man sollte aber wissen, was 
Sicherungsverwahrung bedeutet: Der betreffende Insasse hat seine Strafe bereits vollständig „abgesessen“ und wird nun trotzdem nicht entlassen, weil ein Gericht entschieden hat, dass er hochgefährlich ist. Auch wenn diese „Räumlichkeiten“ vergleichsweise gemütlich 
wirken es bleiben Zellen.

Abschließend zur technischen Seite: Nahezu alle hier gezeigten Bilder sind aus 32-Bit-Tiff-Dateien entstanden. Ich habe mich kurzfristig entschlossen, diese vergleichsweise neue Technik erstmals (für mich) hier anzuwenden. Wer mehr darüber wissen möchte, findet auf Cupertino Dance weitere Infos dazu.

Jörn Daberkow

Ergänzungen

  

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wirklich tolle Impressionen und interessante Einblicke! Die Serie ist Dir gelungen. Und ich glaube nicht, daß man die Außenaufnahmen noch tauschen oder erweitern muß – das paßt so schon sehr gut, finde ich.

    • Hi Sven,

      danke für deinen Kommentar. Ich möchte die Außenaufnahmen schon gern noch mal machen. Der Look gefällt mir irgendwie nicht so richtig …

  2. Hallo Jörn,

    bei vielen Bildern fällt mir auf, dass du ganz bestimmte Farben ansprichtst und betonst. Das mag Zufall sein, ich finde es schön.

    Liebe Grüße

    Angela

  3. Moin Joern,

    Vielen Dank für die Mühe. So habe ich einen Einblick, in eine mir sonst verschlossene Welt bekommen. Die Türen und die dicken Mauern sind sehr beindruckend.

    Erik

    • Hallo Erik,

      lass’ dich NICHT hier durch die wenigen bunten Bilder täuschen, denn es sind Ausnahmen und die Hafträume sehen in der Regel ganz anders aus. Die hier gezeigten “Zellen” werden von den SV´ern (Sicherungsverwahrten) bewohnt, die eine Sonderstellung im deutschen Strafvollzug haben, weil sie “keine Strafgefangene” sind.

      Einen besseren Eindruck bekommst Du, wenn Du die Schwarz / Weissaufnahmen mal so richtig auf dich wirken lässt, denn die treffen eher den Alltag und den damit verbundenen Gefühlszustand, in denen sich die meisten Inhaftierten befinden.

      Ich war 10 Jahre in Santa Fu und kenne auch den überwiegend schlechten Zustand des gesamten Gebäudes – die sind selbstverständlich hier nicht abgebildet, denn der heuchlerische Justizaparat macht immer nur “gute Miene zum bösen Spiel”; denn Knast ist ja nun auch mal kein “Ponnyhof”.

      Trotzdem @Jörn: tolle Bilder – die die Schwere und Tiefe eines Gefängnisses ansatzweise wieder spiegelt!

  4. Da sind ein paar tolle Bilder dabei, aber mir gefällt nicht alles. Manche Schwarzweißfotos finde ich schon sehr dunkel gehalten, und die 32-bit-Technik stört mich, wenn es zu kräftige, also grelle Farben dadurch gibt. Das wirkt künstlich, z. B. bei der Bibliothek mit den Büchern.
    Ulf

    • Sehe ich wie du. 32-Bit in Ehren, aber wenn der Look nicht stimmt … Mir gefällt das hier zumeist, aber auch in dieser Serie mag ich die Außenaufnahmen nicht so gern. Auch die sollen im Frühling wiederholt werden.

      Ich bin derzeit unsicher, ob ich bei 32-Bit bleibe, denn obwohl die Vorteile zumindest theoretisch auf der Hand liegen, lässt sich das Ganze nur schwer umsetzen.

      • Manchmal sehen die Fotos wirklich toll aus (z. B. im Stahlwerk), aber insgesamt wäre mir das wohl auch zu viel Aufwand, der sich eher selten rentiert.

        • Vermutlich muss man wirklich immer neu gucken, wann man mit welcher Technik fotografiert. Nicht alles erfordert gleich eine Belichtungsreihe. Sinn macht das dann, wenn der Kontrastumfang einer Szene sehr groß ist. Im Stahlwerk war das definitiv der Fall. Außen war einfach denkbar schlechtes (im Sinne von schön) Licht.

  5. Tolle Reportage, dank dieser habe ich auch mal einen Einblick gewinnen können, wie es in Santa Fu aussieht. Interessantes Detail sind für mich die Weihnachtskugel auf dem vorletzten Bild.

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