Kraftwerk Tiefstack

Hamburg Fotos

Ein befreundeter Fotograf schrieb mir vor einiger Zeit einen Kommentar unter eins meiner Bilder, der mich bis heute beschäftigt. Erst musste ich schmunzeln – und dann habe ich immer wieder darüber nachgedacht … Er sagte (gekürzt): „Industrie ist meist hässlich, sie in Fotos zu ästhetisieren, finde ich eher kritisch. Um es zynisch auf die Spitze zu treiben: Oh, wie schön das Kernkraftwerk da in der Abendsonne strahlt …“

Ich weiß genau, was Ulf damit meint, aber wenn ich mir Industrie-Locations ansehe, bin ich oft hin und weg, wie schön (womöglich gibt es hier ein besser passendes Wort) sie – zusammen mit dem richtigen Licht – erscheinen. Trotzdem (und ganz klar): Ich möchte auf keinen Fall in der Nähe eines Industriebetriebes leben, aber fotografisch ziehen mich solche Orte magisch an.

Das Kraftwerk Tiefstack macht da keine Ausnahme – im Gegenteil, denn es ist nicht nur modern gezeichnet, sondern ein beeindruckend-gigantisches Bauwerk mit einer ebenso beeindruckenden Leistung. Nahezu die Hälfte des Hamburger Wärmebedarfs wird allein von diesem Kraftwerk gedeckt.

Das Heizkraftwerk Tiefstack besteht aus

  • einer Grundlastanlage mit zwei Steinkolegefeuerten Dampferzeugern
  • einer Turbine
  • einem Spitzenlast-Heizwerksteil mit zwei Erdgas/Heizöl-gefeuerten Dampferzeugern

Im Prozess der Kraft-Wärme-Kopplung wird gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt.

Ich habe mich fast exakt zwei Jahre um eine Genehmigung zum Fotografieren bemüht und mir nach der Zusage durch Vattenfall sehr viel Zeit genommen, um dieses Kraftwerk ins rechte Licht zu rücken. Für die Außenaufnahmen wählte ich einen Standpunkt auf der Elbinsel Kaltehofe , der mir einen nahezu freien Ausblick auf die komplette Anlage bot. Das Shooting begann am frühen morgen in völliger Dunkelheit. Ich habe mich nur wenig bewegt, alle paar Minuten den Auslöser gedrückt und den Anblick unter den langsam wechselnden Lichtverhältnissen genossen. Einige dieser unterschiedlichen Stimmungen werde ich Ihnen in dieser Serie vorstellen – auch wenn es immer um dasselbe Motiv geht.

Andere Außenaufnahmen sind in Höhe des Sturmflut-Sperrwerks Billwerder Bucht entstanden. Hier wählte ich den Nachmittag, da ich so die Sonne im Rücken hatte und das Kraftwerk in ein fantastisches Rot getaucht wurde.

Die Fotos zeige ich in meinem iBook „ Hamburg – Außergewöhnlich „.

Jörn Daberkow

Ergänzungen

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6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Titelbild gefällt mir besonders. Sehr schön durch die etwas längere Belichtungszeit. Da ich die Ecke aber relativ gut kenne, stellt sich bei mir kein „idyllisches Gefühl“ ein ;-). Aber auch dort gibt es offensichtlich richtig schönes Licht :-).

    LG, Conny

    • Hallo Conny,

      danke! Gut, Idylle habe ich beim Fotografieren auch nicht gerade empfunden – aber ich fand es auf jeden Fall sehr schön dort (ein Freund war auch zugegen ).

      Mit dem Licht hatte ich an dem Tag echt Glück!

      Jörn

  2. Ja Jörn,

    der Aufenthalt auf Kaltehofe mit Dir in den frühen Morgenstunden bis das Licht so stand war schon etwas Besonderes.

    Es ist etwas besonderes, den Unterschied zwischen Bild 1 und 2 entstehen zu sehen. Zunächst ist der Rauchabzug weiß gegenüber dem Nachthimmel, nur beleuchtet von den Lampen am Kraftwerk. Doch dann beginnt sich die Dämmerung durchzusetzen und plötzlich springt der hellere Rauch in einen dunkleren Rauch um. Er ist nun farbig, wie Du es schön im zweiten Bild umgesetzt hast.

    Das sind Erinnerungen an einen kalten Oktobermorgen, die ich für immer mitgenommen habe.

    • Hallo Marc,

      das werde ich auch nicht vergessen. Wir standen da ja auch eine ganze Weile zusammen. An dem Tag hätte das Licht nicht besser sein können.

  3. Hallo wirklich klasse Bilder hast du gemacht! Das Titelbild gefällt mir persönlich auch am besten. Die Belichtung ist sensationell!

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